Wie viele Stunden Rückbildung die Kasse zahlt
Rückbildungsgymnastik gehört zur Hebammenhilfe. Eine Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Hebammenverbänden, die seit dem 1. April 2026 gilt, zählt Kurse zur Rückbildung ausdrücklich dazu, genau wie die Besuche im Wochenbett, auch als Video. Sie gibt Ihnen bis zu 120 Kurseinheiten zu je fünf Minuten, zusammen 10 Stunden, in einer Gruppe mit bis zu zehn Teilnehmerinnen. Pausen zählen nicht mit.
Zwei Dinge unterscheiden Rückbildung von einem Geburtsvorbereitungskurs. Erstens gilt eine harte Frist: Jede einzelne Einheit muss bis zum Ende des neunten Monats nach der Geburt stattfinden. Eine Einheit im zehnten Monat zahlt die Kasse nicht, auch wenn der Kurs früher begonnen hat. Zweitens gibt es keine eigenen Kurseinheiten für Begleitpersonen, weil die Leistung nur Ihnen gilt. Die Hebamme darf bis zur Hälfte der Einheiten durch Videos zum Selberlernen ersetzen, die sie in den Live-Terminen bespricht.
Am meisten Zeit gibt der Gruppenkurs: 120 Einheiten, also 10 Stunden, bis zum Ende des neunten Monats. Ein Video zum Selberlernen zählt höchstens für die Hälfte der Einheiten, also bis zu 60. Wer allein trainiert, bekommt in bestimmten Fällen bis zu 60 Einheiten, also 5 Stunden, mit einer höheren Bezahlung je Einheit für die Hebamme.
| Form | Anzahl je Frau | Bezahlung der Hebamme je Einheit | Frist | Voraussetzung |
|---|---|---|---|---|
| Rückbildung in der Gruppe, vor Ort | bis 120 Einheiten, 10 Stunden | 0,95 Euro | jede Einheit bis Ende des 9. Monats | Gruppe bis 10 Frauen |
| Rückbildung in der Gruppe, per Video live | zählt zu denselben 120 Einheiten | 0,95 Euro | wie oben | Übertragung nach den technischen Vorgaben |
| Video zum Selberlernen | höchstens so viele wie Live-Einheiten, maximal 60 | 0,20 Euro | wie oben | nur mit Vor- oder Nachbesprechung |
| Einzeltraining | bis 60 Einheiten, 5 Stunden, höchstens 30 als Video | 6,19 Euro live, 0,20 Euro Video | wie oben | nur bei einem von fünf besonderen Gründen |
Die Bezahlung erklärt, warum Kurse oft voll sind. Für die vollen 10 Stunden bekommt die Hebamme von jeder Teilnehmerin 120 mal 0,95 Euro, also 114 Euro. Bei zehn Frauen sind das 1.140 Euro für den ganzen Kurs, direkt von den Krankenkassen. Sie selbst unterschreiben nur einmal nach der letzten Einheit, dass der Kurs stattgefunden hat. Eine Zuzahlung gibt es nicht, und für einen Termin, den Sie verpassen, darf die Hebamme Ihnen nichts berechnen.
Was Rückbildung für Ihren Körper bedeutet
Rückbildung ist der Vorgang, in dem sich Gebärmutter, Beckenboden, Bauchdecke und Bindegewebe nach der Schwangerschaft zurückbilden. Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die den Bauchraum nach unten abschließt und Blase, Gebärmutter und Darm trägt. Schwangerschaft und Geburt beanspruchen ihn stark. Viele Frauen berichten, er fühle sich danach taub oder nach unten offen an, und regelmäßiges Training hilft, Kraft und Halt zurückzugewinnen.
Was ein Kurs deshalb enthalten muss:
- Informationen über die körperlichen Veränderungen nach Schwangerschaft und Geburt und was dagegen hilft.
- Erklärung, wie der Beckenboden arbeitet und wo die inneren Organe liegen, damit Sie wissen, was Sie anspannen.
- Wahrnehmung, Kontrolle und Kräftigung des Beckenbodens, als Vorbeugung gegen eine Senkung oder ungewolltes Wasserlassen.
- Kräftigung von Rücken und Bauch mit praktischen Tipps für den Alltag mit Baby, etwa beim Heben und Tragen.
- Übungen für die Venen und zur Entspannung.
Der Kurs beugt vor, er heilt nicht, und dieser Text verspricht das auch nicht. Ob bei Ihnen eine Senkung oder ungewolltes Wasserlassen vorliegt und wie das behandelt wird, klärt Ihre Frauenärztin. Genau deshalb zahlt die Kasse den Kurs ohne Rezept, während eine Physiotherapie des Beckenbodens ein Rezept braucht.
Wann Sie starten und bis wann der Kurs enden muss
Die Vereinbarung setzt nur das Ende fest, nicht den Anfang. Den Anfang bestimmt Ihr eigener Heilungsverlauf, und den beurteilt Ihre Hebamme im Wochenbett. Erste Übungen zur Wahrnehmung des Beckenbodens gehören dort schon dazu.
Woche 1 bis 6: Wochenbett
Die Hebamme zeigt bei den Hausbesuchen erste Übungen zur Wahrnehmung und sanften Anspannung des Beckenbodens. Sprünge, Joggen und schweres Heben sollten Sie in dieser Zeit vermeiden.
Woche 6 bis 8: üblicher Kursbeginn
Die meisten Rückbildungskurse beginnen sechs bis acht Wochen nach der Geburt. Die Zeit, in der Sie nicht arbeiten müssen, endet acht Wochen nach der Geburt, bei Früh- und Mehrlingsgeburten nach zwölf Wochen. Viele Frauen legen den Kurs in diese Zeit.
Kurszeit: 120 Einheiten nach Plan der Hebamme
Die Hebamme baut den Kurs aus aufeinander aufbauenden Einheiten auf, live vor Ort, live per Video und bis zur Hälfte als Video zum Selberlernen. Wie sie die 10 Stunden verteilt, entscheidet ihr eigener Plan.
Woche 12: Ende der normalen Wochenbettbetreuung
Mit dem Ende der zwölften Woche endet der Anspruch auf Wochenbettbetreuung ohne Rezept. Der Rückbildungskurs läuft davon unabhängig weiter.
Ende des 9. Monats: letzte mögliche Einheit
Jede Kurseinheit muss bis zum Ende des neunten Monats nach der Geburt stattgefunden haben. Wer spät beginnt, braucht einen Kurs, der rechtzeitig endet.
Wann Sie Einzeltraining statt Gruppenkurs bekommen
Rückbildung als Einzeltraining zahlt die Kasse nur in fünf Fällen. Das gilt, wenn Ihr Baby in Pflege lebt oder zur Adoption gegeben wurde. Es gilt bei einer Schwerbehinderung der Mutter und wenn das Kind tot geboren wurde oder gestorben ist. Auch bei einem schwer kranken oder behinderten Baby zahlt die Kasse, und wenn die Schwangerschaft die Folge einer Straftat war. Das Einzeltraining umfasst bis zu 60 Einheiten, also fünf Stunden, und endet ebenfalls mit dem neunten Monat.
Ein Rezept brauchen Sie dafür nicht, die Hebamme gibt den Grund einfach in ihrer Abrechnung an. Wer keinen dieser fünf Gründe hat, aber körperlich nicht in eine Gruppe kann, hat keinen Anspruch auf Einzeltraining. Der digitale Live-Kurs bleibt dann eine Gruppen-Alternative ohne Anfahrt.
Ein anderer Weg führt über die Ärztin: Physiotherapie am Beckenboden braucht ein Rezept und ist keine Hebammenleistung, dafür fällt im Zusammenhang mit der Geburt keine Zuzahlung an. Manche Physiotherapeutinnen bieten außerdem eigene Rückbildungskurse an. Ob Ihre Kasse solche Kurse als Extra bezahlt, fragen Sie am besten direkt bei ihr.
Liegt einer der fünf Gründe vor, etwa eine Schwerbehinderung, ein schwer krankes Baby oder eine Totgeburt?
Die Kasse zahlt Einzeltraining mit bis zu 60 Einheiten, also 5 Stunden, bis zum Ende des neunten Monats, ohne Rezept.
Findet jede Einheit des Gruppenkurses bis zum Ende des neunten Monats statt?
Die Kasse zahlt bis zu 120 Einheiten, also 10 Stunden, vor Ort oder per Video, bis zur Hälfte als Video zum Selberlernen.
Hat eine Ärztin eine Diagnose gestellt und Physiotherapie verordnet?
Die Kasse zahlt die verordnete Physiotherapie, im Zusammenhang mit der Geburt ohne Zuzahlung.
Die Einheiten nach dem neunten Monat sind eine private Leistung. Fragen Sie Ihre Kasse nach einem Zuschuss oder vereinbaren Sie den Preis schriftlich mit der Hebamme.
Was Rückbildung ohne Kassenzahlung kostet
Privat Versicherte und Beihilfeberechtigte zahlen den Kurs zunächst selbst und reichen die Rechnung ein. Die Hebamme rechnet nach der Gebührenordnung ihres Bundeslandes ab. In Baden-Württemberg darf sie bis zum 1,8-Fachen der üblichen Sätze berechnen, das wären bis zu 1,71 Euro je Einheit statt 0,95 Euro, für zehn Stunden also bis zu 205 Euro.
Für gesetzlich Versicherte wird der Kurs privat, wenn die Neunmonatsfrist vorbei ist, wenn Sie einen zweiten Kurs wollen, oder wenn die Kursleiterin nicht mit der Kasse abrechnen darf. Als Anhaltspunkt dient, was die Kasse zahlt: 114 Euro je Teilnehmerin für zehn Stunden im Gruppenkurs. Eine private Leistung darf die Hebamme nur berechnen, wenn Sie das vorher schriftlich vereinbart haben, und Sie müssen vorab über die Kosten informiert werden.
Rückbildungsyoga oder Pilates nach der Geburt von Trainerinnen ohne Hebammenausbildung sind keine Hebammenhilfe. Ihre Krankenkasse kann solche Kurse als Extra bezuschussen, wenn sie zertifiziert sind, die Höhe legt jede Kasse selbst fest. Fragen Sie vor der Buchung nach Zertifizierung und Zuschuss, nicht danach.
So finden Sie einen Rückbildungskurs in 5 Schritten
Rückbildungskurse geben Hebammen in eigenen Praxen, in Familienzentren und in Geburtskliniken. Die Kasse zahlt nur, wenn die Hebamme mit ihr abrechnen darf.
- Fragen Sie Ihre Wochenbetthebamme in den ersten Wochen, ob sie selbst Kurse gibt oder wen sie empfiehlt. Sie kennt Ihren Verlauf und den passenden Zeitpunkt.
- Suchen Sie in der Hebammenliste der gesetzlichen Krankenkassen nach Ort, Umkreis und der Leistung Rückbildung.
- Rechnen Sie vom Geburtsdatum neun Monate nach vorn und wählen Sie einen Kurs, dessen letzte Einheit davor liegt.
- Fragen Sie bei digitalen Kursen nach dem Anteil an Live-Terminen. Mehr als die Hälfte als Video zum Selberlernen zahlt die Kasse nicht.
- Fragen Sie, ob Sie das Baby mitbringen dürfen und ob es einen Ersatztermin für einen verpassten Kurstag gibt.
Finden Sie keinen Kurs, hilft Ihnen Ihre Krankenkasse weiter, sie kennt die vollständige Liste der Vertragshebammen und regionale Angebote von Kliniken. Die Übungen zum Beckenboden aus dem Wochenbett können Sie bis dahin fortsetzen.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden Rückbildungsgymnastik zahlt die Krankenkasse?
Die Kasse zahlt je Frau bis zu 120 Kurseinheiten zu je fünf Minuten, also 10 Stunden Rückbildungsgymnastik in einer Gruppe mit bis zu zehn Teilnehmerinnen. Bis zur Hälfte der Einheiten darf die Hebamme durch Videos zum Selberlernen ersetzen. Eine Zuzahlung fällt nicht an.
Bis wann muss der Rückbildungskurs abgeschlossen sein?
Jede Einheit muss bis zum Ende des neunten Monats nach der Geburt stattfinden, sonst zahlt die Kasse sie nicht. Die Frist gilt je Einheit, nicht je Kurs: Beginnt ein Kurs spät, zahlt die Kasse nur die Termine bis zum Ende des neunten Monats. Spätere Termine wären eine private Leistung.
Ab wann darf ich nach der Geburt mit Rückbildung beginnen?
Einen festen Anfang gibt es nicht. Rückbildungskurse starten meist sechs bis acht Wochen nach der Geburt, sanfte Übungen für die tiefe Muskulatur sind schon in den ersten Wochen möglich. Nach einem Kaiserschnitt oder einer schwierigen Geburt besprechen Sie den Zeitpunkt mit Hebamme oder Ärztin.
Zahlt die Kasse Einzeltraining statt des Gruppenkurses?
Rückbildung als Einzeltraining zahlt die Kasse nur in fünf Fällen. Das sind ein Baby in Pflege oder zur Adoption, eine Schwerbehinderung der Mutter und eine Totgeburt oder der Tod des Babys. Dazu kommen ein schwer krankes oder behindertes Baby und eine Schwangerschaft nach einer Straftat. Dann zahlt die Kasse bis zu 60 Einheiten, also fünf Stunden, ohne Rezept.
Zahlt die Kasse Rückbildungsyoga oder Pilates nach der Geburt?
Kurse von Trainerinnen ohne Hebammenausbildung sind keine Hebammenhilfe. Ihre Kasse kann sie als zertifizierten Extra-Kurs bezuschussen, die Höhe legt jede Kasse selbst fest. Physiotherapie am Beckenboden braucht dagegen ein Rezept und bleibt im Zusammenhang mit der Geburt ohne Zuzahlung.
Was kostet Rückbildung für Privatversicherte?
Privat Versicherte zahlen die Rechnung der Hebamme nach der Gebührenordnung ihres Bundeslandes und reichen sie ein. In Baden-Württemberg darf die Hebamme bis zum 1,8-Fachen der üblichen Sätze berechnen, für zehn Stunden also bis zu 205 Euro statt 114 Euro.
